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Vorschau auf "Legasthenie und Französisch" (ISP-Projekt 2011 - Arbeitstitel)

Neben Englisch ist Französisch nach wie vor und völlig zu Recht zweitwichtigste Fremdsprache an deutschen Schulen. (Schulsprachenstudie der EU-Kommission 2005/ Carolin Leins, Stuttgarter Zeitung, 14.Februar 2005) Die Sprachenfolge ist heute allerdings offener, "Englisch oder Latein immer zuerst" gilt nicht mehr so ganz absolut.

Manch eine Schule fängt ganz bewusst mit Französisch als erster Fremdsprache an, weil Französisch die "fremdere Fremdsprache in Deutschland ist". (Prof. Werner Bleyhl, Pädagogische Hochschule Ludwigsburg).

Inzwischen haben sich allerdings durch die Verknüpfung meherer "Reformen" im deutschen Schulwesen neue Verschärfungen für Schüler aufgetan.

Die an sich lobenswerte Einführung einer Fremdsprache an Grundschulen - sinnvoll ab Klasse 3- nicht ab Klasse 1!, wird als Aufhänger benutzt, gleich die Sprachenfolge auf den Gymnasien verdichten zu können.

Das heißt, im Zuge des 7,5-jährigen Gymnasiums (das letzte halbe Jahr geht schließlich für die Durchführung des Abiturs drauf), rückt die 2. Fremdsprache von Klasse 7 auf 6 oder Mitte 5 vor. Das gilt auch für private Gymnasien, sie wurden gezwungen die absurde Schulzeitverkürzung mitzumachen. Allerdings ist die Reaktion etlicher Eltern, wegen der harten Bedingungen im G8, wahrhaftiger gesagt 7,5-jährigen Gymnasium, für ihre Kinder gleich ganz auf eine höhere Bildung zu verzichten, mehr als unverständlich. Unter der Überschrift: "Realschule statt Gymnasium im Trend" meldeten die Stuttgarter Nachrichten am 27. Januar 2009, dass "im aktuellen Schuljahr 17 Prozent der Eltern im Südwesten, deren Kinder Gymnasialempfehlungen hatten, diese nicht wahrnahmen, sondern ihre Kinder (trotzdem) an einer Realschule anmeldeten."  Diese Verzichtsmentalität (und mangelnde Kampfbereitschaft in Bezug auf ein besseres öffentliches Schulwesen) existiert so in keinem anderen deutschen Bundesland, im Gegenteil, dies wird anderswo als "typisch schwäbisch" belächelt.

Zurück zur engen Sprachenfolge im zu Tode reformierten Turbogymnasium: Zeitdruck beim Sprachenlernen ist besonders für Legastheniker Stress pur.

Die sehr geordnete(!) deutsche Rechtschreibung ist noch kaum ausreichend erfasst, die "unordentlichere" englische war noch kaum Thema in Grundschulenglisch -zu Recht- und dann soll in Englisch und Französisch gleichzeitig in Klasse 5 im Gymnasium von den Schülern ein professioneller Start hingelegt werden.

Ganz im Sinne der in unserem Buch: "Das unnötige Versagen in Englisch" entwickelten fachdidaktischen Grundsätze, -wir haben dort eine bis in viele Einzelheiten ausgeführte Neugruppierung vieler englischer Lerngegenstände vorgeschlagen und begründet sowie der dort dargestellten lernmethodischen Überlegungen, -wir haben ebenfalls bis in einzelne Unterrichtsarrangements ausgearbeitete neue Ansätze vorgestellt; das sind insbesondere die Ergebnisse der Legasthenieforschung, die wir so aufgearbeitet haben, dass alle sprachlich nicht so begabten Schüler davon profitieren-, wollen wir nun in Französisch vorgehen.

Wenn es heißt, Englisch sei am Anfang leicht und wird später schwierig, Französisch dagegen sei von Anfang an schwierig, so gilt das auch hier wieder erst recht für Legastheniker, deren zusätzliche Probleme im Französischunterricht noch stärker In Erscheinung treten dürften als im Englischunterricht. Denn bereits der einfachste Alltagswortschatz des Französischen, der gesprochen noch sehr eingängig ist, enthält in der Schreibung derart dicke Brocken, dass für viele legasthene Schüler ohne entsprechende Therapie nur Verzweiflung übrig bleibt.

Beispiele:

today - aujourd'hui

what is that - qu'est-ce que c'est

eye, eyes - oeil, les yeux

car - voiture

to work - travailer oder war es nicht travailler, sehen Sie! )*

west - ouest

something - quelque chose

place - place, aber auch lieu (Bedeutungsunterschied)

yellow - jaune, wie soll der Legastheniker es von: jeune-jung unterscheiden?

to (im Sinne von deutsch: bis) - jusqu'a-ce que bzw. jusqu'à/jusqu'au.

next week - la semaine prochaine

Das mag genügen. Sie sehen, stets ist der französische Ausdruck länger und komplizierter.

Ist der Schüler weiter fortgeschritten, wird es zur Regel, dass ihm immer wieder die Pluralformen durchgehen. Im Gegensatz zum Englischen werden sie nämlich in den seltensten Fällen ausgesprochen und sind nur am gemeinsamen Plural-Artikel: 'les', statt: 'le' und 'la' zu bemerken. Ist der Schüler nicht ständig hoch gespannt, ist das gesprochene Wort viel zu schnell verklungen und der Schüler schreibt prompt:

'le jeune fille' statt richtig: 'les jeunes filles'

und kassiert gleich 3 Fehler auf einmal.

Das Französische ist für jeden einigermaßen sprachbegabten Lerner verlässlich, wenn er von      richtig geschriebenen Wörtern ausgehend, sich die gültige Aussprache erschließen will. Dagegen ist es nicht nur für einen Anfänger in Französisch oft nicht möglich, von der gültigen Aussprache auf die gültige Rechtschreibung zu schließen, ganz einfach, weil dies oft generell nicht möglich ist. Für die französische Sprache gilt: Konsistenz in den Relationen von den Graphemen bzw. von den Graphemgruppen zu den Phonemen bzw. zu den Phonemgruppen, dagegen herrscht Inkonsistenz in der Gegenrichtung. 

"deux" (Zahlwort 2) könnte bei gleicher Aussprache auch falsch "deus" geschrieben werden.       

"vingt" (20) könnte bei gleicher Aussprache auch falsch "vint" bzw. "vin" (Wein) geschrieben werden.  

"un mot" (ein Wort) könnte bei gleicher Aussprache auch "un mox" geschrieben werden.            

"femme" könnte bei gleicher Aussprache auch "famme" geschrieben werden.

"la guerre" (der Krieg) wird gleich ausgesprochen, wenn er vom Schüler die Falschschreibung "la guere" verpasst bekommt oder er trifft mit "guère" zufällig die Vokabel "kaum", ebenfalls exakt gleich ausgesprochen.

Insofern verbieten sich krude Bemühungen, simplifizierte 'Sounds zu Signs'-Zusammenhänge herausfischen zu wollen, was schon im Englischen zu schlechteren Ergebnissen führt, es ist         zielführender, den Forderungen von Karin Landerl zu entsprechen und die Graphemumgebungen in den Blick zu nehmen sowie den Forderungen von Helmut Dast zu entsprechen und beim Aufbau eines Lernsystems für Legastheniker 'Rechtschreibstrukturmuster' (Dast, 1998) zu finden und zu beschreiben und die Lernhindernisse bei Legasthenikern, die besonders der Prosodik der jeweiligen Zielsprache geschuldet sind, genauestens zu bedenken.

Französischlehrerinnen und lehrer, die dieses ISP-Projekt reizt, sind herzlich eingeladen mitzumachen.

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*) Es ist so: le travail (Substantiv), aber travailler (Verb).

P.S.:

Grundschulfranzösisch ist schon für viele nicht-legasthenische Kinder eine problematische Sache -zumindest bei den derzeit favorisierten didaktisch-methodischen Zugängen in den Lehrplänen der betreffenden deutschen Bundesländer, darauf verweist auch Jürgen Mertens (Pädagogische Hochschule Freiburg) in einem Beitrag für die "Neusprachlichen Mitteilungen aus Wissenschaft und Praxis, Heft 3/2002 (141-149). Als fällige Konsequenz fordert er eine angemessene schriftsprachliche Pädagogik, d.i. schriftsprachliche Erziehung:

"Aufbauend auf einem 'Eintauchen in das Sprachbad der zu lernenden Sprache in Klasse 1 und 2' (Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg 2001b; 18) 1* -wird ab Klasse 3 ein Kompetenzbereich Lesen und ein Kompetenzbereich Schreiben angestrebt.  Ersterer umfasst die Zuordnung von Schriftbild zu Lautbild, das Vorlesen klanglich bekannter Einzelwörter sowie kürzerer Äußerungen und stilles Lesen von Texten mit bekanntem Wortschatz. Letzterer ist zu verstehen als kopierendes Schreiben im Rahmen binnendifferenzierender Maßnahmen sowie kommunikatives Schreiben innerhalb relevanter Situationen.

Weder für den Lernbereich Lesen noch für den Lernbereich Schreiben werden methodische Vorschläge gemacht, mit deren Hilfe das erwartete Lernziel am Ende der 4. Klasse erreicht werden könnte: 'Schülerinnen und Schüler verfügen nun über die Fähigkeit, Sätze und kürzere Texte mit bekanntem Wortmaterial dem Sinn nach zu erfassen und richtig zu lesen' (a.a.O.). Eine Systematisierung von orthografischen Regularitäten wird expressis verbis untersagt. Der Lehrplan vertraut auf den 'Prozess der Selbstorganisation im Kopf des Lerners' und lässt m.E. die Schüler bei ihrem Lernen im Stich. Gerade die Erfahrungen in der Sekundarstufe sollten einen mahnen, nach geeigneten Verfahrensweisen für die Aneignung des schriftsprachlichen Systems zu suchen. Während meiner Unterrichtstätigkeit fiel mir auf, dass oftmals gerade die schwächeren Lerner nicht in der Lage waren, ohne Unterstützung auch nur die einfachsten Regularitäten, die die Schrift beinhaltete, abzuleiten. Ich bin auch skeptisch, ob es allen Lernern der Grundschule gelingen mag, Lautgebilde mit dem visuellen Pendant, dem Schriftbild in Verbindung zu bringen. So hatten Kinder einer 4. Klasse beispielsweise Mühe, auf die Frage 'Quel temps fait-il à (Stadt)?' zu antworten. Probleme bereitete es ihnen, den mündlich dargebotenen Ortsnamen auf einer sehr übersichtlichen Frankreichkarte wiederzuerkennen. Zugeordnet wurde vielfach ein Ortsnamen mit dem gleichen Anfangsbuchstaben. 2* (Dem ist nichts hinzuzufügen! Helmut Dast)

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1) Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg: Bildungsplan für die Grundschule. Ergänzung: Fremdsprachen Englisch/Französisch. Stuttgart: Neckar-Verlag 2001     2) Jürgen Mertens: Schrift im Französischunterricht in der Grundschule: Lernhemmnis oder Lernhilfe? in: nm 3/2002, S. 142-143

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Überzeugende Hilfeangebote für Schüler, die Lernschwierigkeiten in Französisch haben, finden Sie, neben allen anderen Angeboten, im Lernforum Böblingen ebenfalls. Der lerntherapeutisch ausgerichtete Förderunterricht dort basiert hauptsächlich auf den im Institut für schriftsprachliche Pädagogik Stuttgart ausgearbeiteten Methodiken bei Fremdsprachenerwerbsschwierigkeiten, die hier nicht umsonst skizziert wurden.

http://www.lernforum-boeblingen.de/index-14.htm

 

 

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